Naturerfahrung am Niederrhein

Philosophie oder das wahre Leben?

     Philosophie, Religion oder das Leben als Ganzes?

Karthäuser-Nelke

Die Menschen aller Volksstämme des vorchristlichen Mitteleuropas teilten ein schamanisch geprägtes Weltbild und fühlten sich als Teil der Umwelt. Ihr Lebensalltag und ihre Festlichkeiten waren eingebettet in den Jahreskreislauf der Natur. Diese war ihnen heilig und sie haben die verschiedenen Aspekte der Natur als göttliche Schöpfung angesehen. In dieser Schöpfung sahen die Menschen einen weiblichen, fruchtbaren und einem männlichen, befruchtenden Teil, Göttin und Gott. Das Brauchtum und die religiösen Kulte unserer Vorfahren basierten auf dieser Vorstellung. Übergeordnet dachte man sich die Erde weiblich und die Sonne männlich. In der Erde keimte das Leben, wuchs heran und die Sonne lieferte die nötige Wärme für den Entwicklungsprozess. Die großen Flüsse befruchteten mit ihrem mitgeführten Wasser das umliegende Land. Über Erhebungen und Bergspitzen (Kirchturmspitzen) strahlte oder floß der befruchtende männliche Aspekt in die Landschaft. In den kleinen Teichen und Seen wurde wiederum eher das weibliche Lebensprinzip geehrt. Ebenso galten Quellen und Höhlen als Zugänge zum Reich der großen Mutter bzw. Göttin. Die Göttin, das Mütterliche, aus der alles Leben hervorging und die es erhielt, wurde geehrt und in Zeremonien unterstützt. Neben dem gütigen, lebensspendenden Teil nahmen die Menschen aber auch einen zerstörerischen, vernichtenden Aspekt wahr. Dieser wurde nicht mehr als die lebensspendende Mutter gesehen, sondern als die Alte. Die dunkle Göttin, die den Lebensfaden abschneidet, die alles verschlingende Urmutter. Aus dieser Vorstellung entwickelte sich ein dreigeteiltes Göttinnenbild. Bei den Römern hießen die drei Schicksalsgöttinnen Parzen, bei den Griechen Moiren, bei den Slawen Zorya und bei den Germanen die drei Nornen (Urd, Skuld, Verdandi = Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft). Im Eifeler Raum gibt es heute noch die Matronenheiligtümer (u. a. Nettersheim und Pesch) zu besichtigen und im keltischen und frühmittelalterlichen deutschsprachigen Raum verehrte man die drei Bethen (oder die drei Ewigen: Borbeth, Wilbeth, Ambeth = Sonne, Mond, Erde). Im Christentum überlebt diese Vorstellung in den drei Aspekten der Maria, der weißen jungfräulichen Maria, der roten nährenden lebenserhaltenden Mutter Maria und der schwarzen Madonna. Diese Symbolik wurde im Christentum weitgehend vermännlicht und zur heiligen Dreifaltigkeit, Sohn - Vater - Geist, verändert.

Vogelnest

Der männliche Begleiter der Göttin war in den alten Kulturen der Wilde Mann. Ein Geweih oder Hörner tragender Vegetationsdämon der ungezügelten Wildheit und Lebenskraft. Bei den Griechen als Pan, bei den Kelten als Cernunos und bei den Germanen u. a. als Freyr verehrt. In einigen alten Kirchen ist dieser als blättergesichtiges Antlitz abgebildet.

greenman.gif

Überall wurden die Zyklen der Natur mit den Aspekten der unterschiedlichen Götterbilder verbunden. Nicht nur die unterschiedlichen Aspekte der Göttin, sondern viele Erfahrungsbereiche unterlagen einer Teilung. Das Eine war das Ganze, die allumfassende göttliche Schöpfung. Aus dieser erwuchs die Dualität der Gegensätze. Die Dreiteilung symbolisierte die dreifache Wesenheit jeden Seins (Körper, Geist, Seele), dem Werden, dem Sein und dem Vergehen. Sie manifestierte sich u. a. in der Wahrnehmung der Unterwelt, dem Ort an dem die Toten und Geister lebten, der Mittelwelt, in der die Menschen lebten und der Oberwelt, dem Himmel der von den Göttern bewohnt wurde. Die 4 erkannte man in der Anzahl der Himmelsrichtungen und der Elemente Luft, Feuer, Wasser und Erde. Aus diesen Elementen glaubte man setzt sich die Erde zusammen. Mit der 5 dachte man sich in den Mittel- und Kreuzungspunkt zweier Achsen und fügte den Elementen den Geist oder Äther hinzu (Pentagrammsymbolik). Die 5 entsprach der Anzahl der Sinne, der 5 Selbstlaute und der 5 Körperteile (Arme, Beine und Kopf; 5 Finger und Zehen). Die 6 war die Zahl der vollkommenen Schöpfung. Die 7 entsprach dem Mysterium, der Harmonie, des rechten Maßes, der (mittelalterlichen) Planetenkräfte und der rechten Ordnung oder auch die 4 Himmelsrichtungen + oben und unten und im Kreuzungspunkt der Mensch. Im Achtkreuz sind menschliche Zeugungs- und göttliche Schöpferkraft zusammen geführt. Es symbolisiert die Verbindung zu Recht und Gesetz und die 8 Speichen des Jahresrads. Der Neunstern ist das Zeichen für Erkenntnis und Wissen.

danksagung.jpg 

 Holunderfrau im Weißdorn

eschendeva.jpg

eichendeva.jpg 

 

Naturerfahrung am Niederrhein läuft unter Wordpress