Naturerfahrung am Niederrhein

Über den Wald

Der Wald am Niederrhein

 

Birkenaussicht 

 

Entstehungsgeschichte des Waldes

Das geologische Fundament des Niederrheins besteht bis in große Tiefen aus Ablagerungen der urzeitlichen `Nordsee´. Schotter und Sande sind teilweise von einer bis zu 25 m mächtigen Lößdecke überlagert. Vermutlich gab es 4 bedeutende Eiszeiten. In der Saaleeiszeit (vor 230.000 – 130.000 Jahren) schoben sich die Gletscher von Osten her durch die Flusstäler bis zum Rhein. Die Saaleeiszeit hat mit seinen Stauch- und Endmoränen das Landschaftsbild des Niederrheins geprägt. In der Weichseleiszeit (30.000 – 11.500 v. Chr.) war Mitteleuropa eine baumlose Tundra, die Gletscher reichten nicht bis zum Niederrhein. Von Süden kommend, eroberten vor 14.000 Jahren die ersten Bäume, Pionierarten wie Weide, Birke, Kiefer, Sanddorn und Wacholder, die Tundra. Die Vegetation wandelte sich vor 10.000 Jahren in eine lichte Waldsteppe und mit ihr kamen die ersten Menschen zurück. Um 4000 v. Chr. entstanden die ersten Mischwälder aus Eichen, Linden, Ulmen, Eschen und Erlen. Noch über 2000 Jahre brauchte es bis die Buche zum vorherrschenden Waldbaum wurde. Die Rotbuche hat ein weltweit begrenztes natürliches Vorkommen in Mitteleuropa. Herzstück dieses Gebietes ist Deutschland. Der Flächenanteil des Waldes in Deutschland beträgt heute nahezu 30%.

 Buchenmischwald 

 

Buchenwald und naturnahe Auenwälder

Von Natur aus wäre heute Deutschland, wie vor 2000 Jahren fast vollständig von Wald bedeckt. Davon würde unter natürlichen Umständen die Buche 2/3 Fläche einnehmen. Doch die großen Rodungsperioden zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert und die Waldwirtschaft jüngerer Zeit haben dieses Bild verschoben, so dass die Buche ca. 15% des Waldes ausmacht. Am Niederrhein entstand der heute charakteristische Buchenwald erst in der Urnenfelderzeit ab ca. 1200 v. Chr. Der ursprünglich lindenreiche Wald wurde gerodet und war wegen des höheren Basengehalts begehrtes ur- frühgeschichtliches Ackerland.
Unbeeinflusste Naturwälder gibt es schon lange nicht mehr. Mitte des 13. Jahrhunderts sind die letzten Auenwälder fast vollständig gerodet und in fruchtbares Grünland umgewandelt. Als Aue wird die durch Überflutungen und Trockenfallen (Sommer) geprägte, flussparallel verlaufende Niederung bezeichnet, deren Ökosysteme durch die schwankenden Wasserstände des Flusses gekennzeichnet sind. Die Flußauenwälder des Rheins wurden von Hartholz-Auenwäldern aus Eichen, Eschen, Ulmen, Feldahorn und Wildobstbäumen und von Weichholz-Auenwäldern aus Baumweiden und Schwarzpappeln eingenommen. In verlandeten Altmäandern und den Randsenken der Stromaue bildeten erlenreiche Sumpfwälder das Ende der Sukzession. Die Weichholzaue umfasst die tief liegenden Bereiche der Flusstäler, die regelmäßig und oft wochenlang überschwemmt werden. Langanhaltende Überschwemmungen werden nur von wenigen Baumarten, überwiegend Silberweide, Knackweide (Salix alba, Salix fragilis) und auch Schwarzpappel (Populus nigra) vertragen. Der Silberweidenauenwald kann Standorte besiedeln, die im Jahresdurchschnitt 90 – 190 Tage unter Wasser stehen. Die Überflutungstoleranz variiert jedoch beträchtlich und hängt davon ab, ob die Überschwemmungen hauptsächlich im Winter oder in der Vegetationszeit stattfinden, ob das Wasser steht oder fließt und ob es zu totalem Sauerstoffverlust im Wurzelraum kommt.

 

 Erbruchwald

  

Bruch- und Sumpfwälder
naturnahe Wälder und Gebüsche mit hohem Grundwasserstand

Bruchwälder wachsen auf nassen, torfigen Standorten. Intakte Bestände sind meist längere Zeit überstaut und weisen ganzjährig einen sehr hohen Grundwasserstand auf. Bestandsbildende Baumarten können z.B. Schwarzerle, Moor-Birke oder verschiedene Weidenarten sein. Bruchwälder auf nährstoffreichen Standorten werden in der Regel von der Schwarz-Erle dominiert (Erlenbruchwälder). Die Bestände stellen häufig das Endstadium der Verlandung nährstoffreicher Stillgewässer dar. Sie kommen insbesondere am Rand von natürlichen oder naturnahen stehenden Gewässern, im Bereich von Altwässern und in vermoorten Geländemulden vor. Auf nährstoffarmen Torfböden sind meist Birkenbestände (Birkenbruchwälder oder Moorwälder) zu finden. Charakteristisch ist hier das Vorkommen von Torfmoosen sowie weiterer Hoch- und Übergangsmoorarten in der Krautschicht.

 

Lippeaue

  

Wacholderheide / Heiden

Heiden sind großflächig ab dem 17. Jahrhundert durch die Übernutzung des Waldes durch den Menschen entstanden. Durch Plaggen, das heißt, die obere humose Schicht wurde zur Düngung oder als Stalleinstreu abgetragen, wurde der Wald übernutzt. Die Vegetation wurde auch gezielt abgebrannt und die Asche wurde zur Düngung der Felder verwand. Über blieb ein meist karger unfruchtbarer Boden auf dem sich anspruchslose Heidegewächse (u.a. Wacholder, Birke, Kiefer) ansiedelten.

 

 Wacholderheide

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